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Ende Oktober, ungefähr vier Monate vor Beginn des ersten Bandes ...
Gabor trat die Pedale des Fahrrads kräftig durch; ein kurzer Blick auf die Uhr verdeutlichte ihm jedoch die Sinnlosigkeit dieser kräftezehrenden Anstrengung. Es war bereits zwanzig Minuten nach fünf; dabei hätte er Punkt fünf zu Hause sein müssen. Ein nur zu vertrautes mulmiges Gefühl breitete sich in seinem Magen aus, wusste er doch genau, was ihm in wenigen Minuten blühen würde.
Um nicht noch mehr Zeit zu vergeuden, wählte er den direkten Weg zwischen den vor dem Eingang parkenden Autos. Gabor konzentrierte sich darauf, keinen der beiden Wagen zu streifen, wurde aber schlagartig abgelenkt, als er aus den Augenwinkeln die sich öffnende Tür des Elternhauses und den vor Wut bebenden Vater registrierte. Dessen furchteinflößender Blick brachte ihn einen, und wirklich nur einen winzigen Moment aus dem Gleichgewicht. Ein kurzer Schlenker, er verlor das Gleichgewicht, die Lenkstange des Fahrrads kam dem grünen Jaguar seines Vaters bedenklich nahe ...
Das hässliche Knirschen ging Gabor durch und durch. In der augenblicklich danach entstehenden Stille, betrachtete er den tiefen, zackigen Kratzer, der sich über die gesamte rechte Tür des Wagens zog. Nein! Nicht auch das noch! Den Jaguar zu beschädigen, war der absolute Supergau. Bereits bei einem Handabdruck auf dem Lack wurde sein Vater ungehalten. Was würde er erst zu der ramponierten Tür sagen? Einen Augenblick blieb Gabor wie erstarrt stehen, doch als er den Vater mit schnellen Schritten auf sich zueilen sah, beherrschte ihn nur noch ein Gedanke: Flucht! Weg von hier! Das Fahrrad loslassen, sich umdrehen und zwischen den Autos durchschlüpfen nahm nur Sekunden in Anspruch, dann jagte Gabor über den Rasen zu dem an das Grundstück angrenzenden Wald. Im Bestreben, sich möglichst rasch zu verdrücken, rannte er viel zu schnell.
Als ihn schmerzhaftes Seitenstechen daran hinderte, die Flucht fortzusetzen, versteckte sich Gabor, sein Elternhaus nicht aus den Augen lassend, hinter einem Busch. Seine Gedanken kreisten dabei ununterbrochen um den Vater. Am besten wäre es, gleich wieder umzukehren und die Strafe hinter sich zu bringen, aber die Angst vor den unabwendbaren Schlägen hatte ihn so stark erfasst, dass er dieses Vorhaben sofort verwarf.
Nachdem sich seine Atmung wieder normalisiert hatte, schlug Gabor den vertrauten Weg zu der alten Scheune ein, in der er sich schon mehrmals versteckt hatte. Dort, ein gutes Stück außerhalb des Steinerschen Anwesens, würde er sich heute Nacht verkriechen; war es angesichts der inzwischen doch schon empfindlich kalten Nächte sinnlos, ohne Ziel wegzulaufen.
In der Scheune war es zwar nicht viel wärmer als im Freien, dennoch fühlte Gabor sich ein wenig sicherer. Als er sich auf einem alten, zerfledderten Strohballen niederließ, überkam ihn dann das ganze Ausmaß der Katastrophe. Er wünschte sich wieder einmal innig, zusammen mit seiner Mutter in den Abgrund gestürzt zu sein. Auch wenn Gabor sich selber nicht daran erinnern konnte, musste er sich schweren Herzens damit abfinden, vor Jahren als nicht ganz Vierjähriger, bei einem Spaziergang die Mutter angerempelt zu haben, worauf sie das Gleichgewicht verloren hatte.
Die mit dem Abend hereinbrechende Kälte, die langsam in die zugige Scheune kroch, verdeutlichte Gabor den Ernst der Lage. Der sich allmählich einstellende Hunger stellte ihn vor die Entscheidung, wie es weitergehen sollte.
Was sollte er denn bloß tun? In Steinhüs drohte ihm eine kräftige Tracht Prügel, doch im Haus war es warm ...
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